Im Sommersemester 2026 nahm ich an einem Erasmus+-Studienaufenthalt am Conservatorio Agostino Steffani in Castelfranco Veneto, Italien, teil. Der Aufenthalt dauerte vier Monate und fand im sechsten Semester meines Studiums statt. Ich studiere Instrumental- und Gesangspädagogik (IGP) mit dem Schwerpunkt Klassischer Gesang. Bereits vor meiner Abreise hatte ich umfassende Studienerfahrung gesammelt, dennoch war ein Erasmus-Aufenthalt schon lange ein persönlicher Wunsch von mir. Besonders interessierte mich die Möglichkeit, ein anderes musikalisches Umfeld kennenzulernen, eine neue Kultur zu erleben und einen anderen pädagogischen Zugang zum Gesangsunterricht zu entdecken.


Am Conservatorio Agostino Steffani besuchte ich die bereits vor meiner Ankunft vereinbarten Lehrveranstaltungen. Aufgrund von Überschneidungen im Stundenplan wählte ich nach meiner Ankunft zusätzlich einige weitere Fächer. Der Schwerpunkt meines Studiums lag im Bereich Klassischer Gesang, wo ich mich vor allem mit dem Liedrepertoire sowie der Weiterentwicklung meiner Gesangstechnik beschäftigte. Darüber hinaus belegte ich Lehrveranstaltungen, die sowohl meinen Studienplan als auch meine persönlichen Interessen ergänzten.


Zu den besuchten Fächern gehörten Einzelunterricht im klassischen Gesang, Kammerchor, Kammermusik, Jazzband sowie Italienischunterricht. Alle Lehrveranstaltungen waren von sehr hoher Qualität, und die Professorinnen und Professoren zeichneten sich durch ihre fachliche Kompetenz, ihr Engagement und ihre motivierende Art aus. Neben zahlreichen neuen musikalischen Erkenntnissen lernte ich viele großartige Menschen kennen, erlebte eine andere Arbeitsweise und konnte meine Italienischkenntnisse während der vier Monate deutlich verbessern.


Einer der schönsten Aspekte meines Erasmus-Aufenthaltes war das Kennenlernen der italienischen Kultur. Obwohl ich aus Slowenien komme und derzeit in Österreich studiere, war mir die Region Venetien bereits teilweise bekannt. Dennoch bot mir das Leben und Studieren in Italien eine völlig neue Perspektive. Besonders beeindruckt hat mich das reiche musikalische Erbe Italiens, das von der Oper und der Belcanto-Tradition geprägt ist. Generell besitzt Kultur in Italien einen sehr hohen Stellenwert, und viele Menschen besuchen regelmäßig Konzerte unterschiedlichster Stilrichtungen. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, eine beeindruckende Vielfalt an Konzerten zu erleben – von klassischer Musik über Jazz bis hin zu alternativer Musik.


Auch im Bereich des Unterrichts konnte ich deutliche Unterschiede feststellen. Die italienische Arbeitsweise ist insgesamt entspannter als jene, die ich aus Slowenien und Österreich kenne, bewegt sich jedoch gleichzeitig auf einem außergewöhnlich hohen professionellen Niveau. Im Unterricht wird großer Wert auf musikalischen Ausdruck, Phrasierung, Selbstvertrauen und die Förderung der eigenen künstlerischen Persönlichkeit gelegt. Meiner Meinung nach spiegeln sich diese Eigenschaften auch in der italienischen Musiktradition wider.


An der Gustav Mahler Privatuniversität Klagenfurt, an der ich derzeit studiere, ist das Studium im Allgemeinen stärker strukturiert, organisierter und langfristiger geplant. In Italien hingegen begegnete ich einer spontanen und offenen Mentalität. Trotz dieser Unterschiede verlief der Unterricht äußerst erfolgreich und trug wesentlich zu meiner künstlerischen und persönlichen Weiterentwicklung bei.


Besonders hervorheben möchte ich die herzliche Aufnahme durch meine Mitstudierenden. Ich wurde schnell Teil ihres Freundeskreises und war nicht nur zu universitären Veranstaltungen, sondern auch zu privaten Treffen eingeladen. Dadurch fühlte mich in Italien sehr willkommen und beinahe wie zu Hause. Ähnlich positiv waren auch meine Erfahrungen mit den Lehrenden. Obwohl sie durchaus hohe Ansprüche stellten, waren sie stets freundlich, hilfsbereit und offen.


Ein besonders großer Erfolg meines Aufenthaltes war die Verbesserung meiner Italienischkenntnisse. Vor meiner Ankunft verfügte ich lediglich über Grundkenntnisse der Sprache. Während des Semesters besuchte ich hervorragenden Italienischunterricht bei einer ausgezeichneten Lehrerin. Zusätzlich lebte ich bei einer italienischen Gastfamilie, wodurch ich die Sprache täglich anwenden konnte. Heute verstehe ich Italienisch wesentlich besser und kann alltäglichen Gesprächen problemlos folgen. Auch im Gesangsunterricht arbeitete ich intensiv mit italienischen Werken, wodurch ich die Sprache zusätzlich vertiefen konnte. Ich bin überzeugt, dass ich meine Italienischkenntnisse auch in Zukunft weiter ausbauen werde.


Das Leben im Ausland stärkte außerdem meine Selbstständigkeit und mein Selbstvertrauen. Da ich den Großteil der Zeit auf mich allein gestellt war, lernte ich, meinen Entscheidungen zu vertrauen und mich sicher in einer neuen Umgebung zurechtzufinden.
Der Erasmus-Aufenthalt ermöglichte mir zudem wertvolle interkulturelle Erfahrungen. Venetien ist eine kulturell außerordentlich vielfältige Region mit wunderschönen Landschaften, hervorragender Küche und sehr herzlichen Menschen. In meiner Freizeit besuchte ich zahlreiche Konzerte und erkundete Städte wie Padua, Treviso, Bassano del Grappa, Vicenza, Venedig, Ferrara


Auch musikalisch konnte ich mich enorm weiterentwickeln. Ich verbesserte meine Gesangstechnik, vertiefte mein Verständnis der italienischen Sprache – die in der Opernliteratur eine zentrale Rolle spielt – und gewann deutlich mehr Sicherheit als Sängerin. Neben der klassischen Musik nahm ich regelmäßig an Jazz-Jam-Sessions teil, da Jazz ebenfalls einen wichtigen Teil meines musikalischen Hintergrundes bildet. Durch diese Erfahrungen lernte ich viele inspirierende Musikerinnen und Musiker kennen und erhielt einen tiefen Einblick in die italienische Musikkultur. Dies trug wesentlich zu meiner künstlerischen wie auch persönlichen Entwicklung bei.


Insgesamt war mein Erasmus+-Aufenthalt eine außerordentlich bereichernde Erfahrung, die ich als eine der schönsten Phasen meines Studiums bezeichnen würde. Ich absolvierte den Austausch zu einem Zeitpunkt, an dem ich sowohl musikalisch als auch persönlich ausreichend gereift war, um die zahlreichen Möglichkeiten optimal nutzen zu können. Nach meiner musikalischen Ausbildung in Slowenien und meinem weiteren Studium in Österreich stellte das Semester in Italien die ideale Ergänzung meiner bisherigen akademischen und künstlerischen Laufbahn dar.


Ich kann das Erasmus+-Programm jedem Studierenden uneingeschränkt empfehlen. Es bietet die Möglichkeit, neue Kulturen kennenzulernen, inspirierende Menschen zu treffen, unterschiedliche Denkweisen zu erleben und verschiedene pädagogische Ansätze zu entdecken. Neben der fachlichen Weiterentwicklung gewinnt man an Selbstvertrauen, Selbstständigkeit und Offenheit gegenüber anderen Kulturen. Gleichzeitig lernt man neue Sprachen, Traditionen, kulinarische Besonderheiten und Lebensweisen kennen. Für mich war Erasmus+ eine der wertvollsten und prägendsten Erfahrungen meines bisherigen Lebens.

Link zur Videoaufnahme unseres Duos mit einem Akkordeonisten, der ebenfalls an einem Erasmus+-Studienaufenthalt teilgenommen hat:

https://www.youtube.com/watch?v=r5dR1hbmBys
Privates Instagram-Profil (Klara), auf dem weitere Eindrücke und Erfahrungen meines Erasmus+-Studienaufenthalt geteilt werden:https://www.instagram.com/vetersekklara/?hl=en
Link zu den Aufnahmen auf YT (Abschlusskonzert meines Erasmus+-Studienaufenthalts):
https://www.youtube.com/shorts/4wKqwzn3nuU

Klara Veteršek