Spontane Duette, die sich aus gleichzeitig erklingenden Arien aus unterschiedlichen Opern ergeben, 24 zufallsgesteuerte Stehlampen, Stimmen aus der Vergangenheit, die aus dem Grammophon erklingen, Opernparaphrasen für Klavier, zu denen im Hintergrund live ein Jazzradio spielt, aktives Husten aus dem Publikum, dazu stumme Filmsequenzen, eine Soundcollage aus einem Opernfoyer sowie die Hintergrundgeräusche der Aufführungsorte vom dichten Trubel der Langen Nacht der Forschung über den Straßenverkehr rund um die GMPU bis zu Hühnern und Ziege in Portendorf: John Cages Operncollage Europera 5 fordert heraus, Gewohntes in ungewöhnlichen Kombinationen wahrzunehmen und darin nach Assoziationen, Bedeutungen und Fragen zu suchen. 

Ein experimentierfreudiges und kreatives Team, bestehend aus vier Sänger*innen (Mateja Grašič, Mojca Hrast, Goulnara Norkina, Miha Škrabelj), einer Pianistin (Anna Sdobnikova), zwei Technikerinnen (Tinkara Pfeifer, Nika Šuligoj), einer Moderatorin (Katharina Kubatta) und zwei Lehrenden an Radio/Soundtrack/TV und Grammophon (Ramona Hocker, Klaus Kuchling), hat Cages Europera 5 (1991) in fünf sehr unterschiedlichen Performances realisiert. 

Zwei Aufführungen am 23.4.26 in der GMPU waren eigens für Klassen aus sieben Schulen der Region reserviert, die teilweise in Vorabbesuchen durch das MusikvermittlungsTeam Katharina Kubatta, Goulnara Norkina, Anna Sdobnikova und Ramona Hocker in die Welt von Cage eingeführt wurden. Die Schulklassen des BRG Viktring sowie des Peraugymnasium Villach haben eine kreative Ideensammlung für die Publikumsaktionen bzw. originelle Kurzvideos erstellt, die in allen Performances zum Einsatz kamen. Die Schüler*innen waren bei den Publikumsaktionen sehr aktiv und sorgten unter anderem mit Tanz- und Gesangseinlagen für lustige wie überraschende Momente in den Vorstellungen. 

Weitere Aufführungen fanden im Rahmen der Langen Nacht der Forschung an der AAU (24.4.26) sowie in Schloss Saager (25.4.26) und im Kultur.Gut.Portendorf (26.4.26) statt. Jede Performance war einmalig und unwiederholbar: zufallsbestimmte Aktionen und Lichttechnik, der große interpretatorische Freiraum für die Auswahl der einzelnen Arien bzw. Klaviertranskriptionen, die wechselnde Besetzung für die beiden Gesangsrollen, die jeweilige spontane Gestaltung der exakt 60-minütigen Operncollage und das Setting in unterschiedlichen Räumlichkeiten ließen die Komposition jedes Mal in einer neuen Gestalt entstehen. Durch kleine, ebenfalls zufallsbestimmte Aktionen wurde das Publikum in die Performance mit eingebunden – ganz im Sinne von John Cage wurden so „operntypische“ Geräusche wie Husten oder Papierrascheln zu einem Bestandteil der Musik. 

Europera 5 hat keine Handlung, keinen Dirigenten, keine Bezüge zwischen den einzelnen Elementen Gesang, Klavier, Tonaufnahmen, Licht, Geräuschen, Bewegungen, Kostümen. Die anarchistische Collage fordert die Konzentration wie die Wahrnehmung heraus – und führte beim Publikum wie bei den Ausführenden zu intensiven 60 Minuten mit dichten Schichtungen verschiedener Musikstücke und -stile wie zu ruhigen, in sich gekehrten Passagen und stillen Momenten. Es ist gelungen, mit Cage alle Altersklassen und an verschiedenen Aufführungsorten zu begeistern, das Publikum durch aktives Zuhören und Mitmachen einzubinden und somit eine einmalige Stunde miteinander zu verbringen: Das Feedback des Publikums, dass es sich diese Performance gerne nochmals anhören würde, ist eine wunderbare Bestätigung, dass Europera 5 für alle Beteiligten zu einem ganz persönlichen Erlebnis, zu „Your opera“ wurde. 

FOTOS: © GMPU; aau_lange_nacht: © aau/photo riccio