Internationale Konferenz an der GMPU bringt rund 70 Forschende, Kunstschaffende und Persönlichkeiten aus dem Kulturbereich nach Klagenfurt. Die Veranstaltung ist Teil von „dialoguing@rts“, dem ersten Horizon-Europe-Projekt mit Beteiligung der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik.

Welche Rolle Musik und Kunst für gesellschaftlichen Zusammenhalt, soziale Teilhabe und den Umgang mit kultureller Vielfalt spielen können, steht im Mittelpunkt der internationalen Konferenz „Cultural Literacies: Social empowerment through the arts“ von 15. bis 17. Oktober 2026 an der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik (GMPU) in Klagenfurt. 

„Kärnten liegt im Herzen des Alpen-Adria-Raums und ist seit jeher ein Ort, an dem unterschiedliche Sprachen und Kulturen aufeinandertreffen. Mit ihrer Teilhabe am Horizon-Europe-Projekt bringt die GMPU internationale Perspektiven nach Kärnten und zugleich Erfahrungen und kulturelles Wissen aus unserer Region in einen europäischen Dialog“, sagt Landesrat Mag. Peter Reichmann, MBA, Vorsitzender des Universitätsrates der GMPU.

Rund 70 Forschende, Kunstschaffende sowie Expert*innen aus dem Kulturbereich kommen in Klagenfurt zusammen. Vertreten sind der Alpen-Adria-Raum und zahlreiche europäische Länder ebenso wie Neuseeland, Äthiopien, und Pakistan. Mit UNESCO, AEC und European Music Council (EMC) nehmen auch bedeutende internationale Organisationen an der Konferenz teil.

In insgesamt 15 Veranstaltungen stehen Workshops, Vorträge, Podiumsdiskussionen und künstlerische Performances auf dem Programm. Ein soundwalk mit „artists in residence“ beim Gustav Mahler Komponierhäuschen findet in Kooperation mit der Stadt Klagenfurt statt. Das an der GMPU beheimatete transkulturelle Ensemble (Re)Shape begleitet die Konferenz als Projektensemble.

Horizon-Europe-Projekt an der GMPU

Die Konferenz ist ein zentraler Meilenstein von „dialoguing@rts“ (d@rts), dem ersten Horizon-Europe-Projekt, an dem die GMPU teilnimmt. Das mit rund drei Millionen Euro aus Horizon Europe geförderte Projekt läuft von 2024 bis Mitte 2027 und vereint elf Partnerorganisationen aus acht Ländern auf drei Kontinenten sowie 16 assoziierte Partner. Koordiniert wird d@rts von der Nord University in Norwegen.

Im Zentrum steht die Frage, wie Musik, Tanz und Theater innerhalb und außerhalb von Schulen den Dialog über kulturelle Unterschiede hinweg fördern und damit zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen können. Dazu wurden bisher bildungs- und kulturpolitische Rahmenbedingungen und Curricula in sieben Ländern untersucht, mehr als 1.400 Fachleute befragt und 14 Fallstudien durchgeführt. Mit „DIALOGART“ wird zudem in vier Regionen in Deutschland, Italien, Norwegen und Serbien ein neues partizipatives Format kultureller Bildung erprobt.

„Die GMPU versteht sich als offene Musikuniversität, die regionale musikalische Traditionen ebenso einbezieht wie internationale Entwicklungen. D@rts zeigt ganz konkret, wie kulturelle Vielfalt in musikalischer Bildung und künstlerischer Praxis gelebt werden kann“, sagt Rektor Mag. art. Roland Streiner.

Musikalische Bildung ist ein Recht 

Erste Ergebnisse des Projekts zeigen: Das Engagement von Fachleuten in der kulturellen Bildung ist groß, vielfach fehlen jedoch eine dauerhafte institutionelle Verankerung und finanzielle Planungssicherheit. Ein zentrales Anliegen des Projekts ist deshalb der gleichberechtigte Zugang zu musikalischer und kultureller Bildung.

Rektor Streiner mit Finn Schumacher, Excetutive Director AEC

„Musikalische Bildung ist kein Luxus und kein Almosen, sondern ein Recht. Ob ein Kind ein Instrument lernt, darf nicht vom Einkommen der Eltern oder von der Herkunft abhängen“, betont Finn Schumacker, Executive Director der AEC.

Projektleiter Jens Knigge von der Nord University verweist zugleich auf die gesellschaftliche Dimension: „Kunst ist kein Wundermittel gegen Populismus. Aber wer gemeinsam musiziert, tanzt oder Theater spielt, kann erfahren, dass Verschiedenheit keine Bedrohung ist, sondern die Voraussetzung für etwas Gemeinsames.“

Über die AEC mit rund 320 Musikhochschulen in 55 Ländern sollen die Erkenntnisse von d@rts unmittelbar in die Ausbildung künftiger Musiker*innen sowie Lehrkräfte einfließen. Für 2027 sind darüber hinaus kultur- und bildungspolitische Empfehlungen auf nationaler und internationaler Ebene vorgesehen.

Neue Kooperation stärkt Alpen-Adria-Vernetzung

Die im Rahmen von d@rts entstandenen Ansätze sollen auch über das Projekt hinaus in der Region weitergeführt werden. Dazu plant die GMPU eine Kooperation mit Puntozero in Udine. Der Verein setzt auf Kultur als Instrument für soziale Teilhabe und die Stärkung des ländlichen Raums. Geplant sind unter anderem Künstler*innenresidenzen in Kärntner Gemeinden, Workshops mit PhD-Studierenden und gemeinsame Weiterbildungsangebote.

Finn Schumacher, Jens Knigge (Nord University), Francesco Rossi (puntozero), Univ. Prof. Dr. Eckehrad Pistrick

Univ.-Prof. Dr. Eckehard Pistrick, der das Projekt für die GMPU verantwortet und unter anderem Feldforschungen in Serbien und Italien durchgeführt hat, sieht in der Kooperation eine Möglichkeit, die Projekterfahrungen nachhaltig in der Region zu verankern: „Dabei ist gerade für unsere Studierenden die Idee des voneinander Lernens extrem wichtig – eine sehr europäische Idee, die uns hilft Kultur als positive Kraft in der Mitte der Gesellschaft zu begreifen.“ „Kultur kann Menschen zusammenbringen und soziale Teilhabe ermöglichen. Diese Erfahrungen wollen wir gemeinsam mit der GMPU weiterentwickeln“, sagt Francesco Rossi von Puntozero.